Islandpferdezucht und Sommerekzem

(Veröffentlicht in „Hestur“, Fachmagazin für Islandpferde-Freunde, August/September 2003, Nr. 112, S. 34)

Immer wieder wird die Forderung an Zuchtexperten laut, die Züchter aufzuklären über Hengste, die Sommerekzem vererben. Sicher eine verständliche Forderung – aber kann man das überhaupt?Vorab sei der Hinweis erlaubt, dass es sich beim Sommerekzem nicht um eine Islandpferde-typische Allergie handelt, sondern dass alle Pferderassen – Robusthaltung vorausgesetzt – gleichermaßen davon betroffen sind, sowohl Haflinger, Shetlandponies, New Forrest, ja selbst Friesen und auch unsere heimischen Warmblüter.

Niemand wird bezweifeln, dass diese Krankheit  eine unerwünschte Eigenschaft des Pferdes ist, zwar behandelbar (und auch behandlungsbedürftig ! ), aber nicht heilbar. Und ganz sicher hat diese Krankheit auch eine erbliche Komponente. Wahrscheinlich aber nicht allein – vererbt werden kann also nur die Disposition, die Veranlagung unter gewissen Umständen eine Allergie entwickeln zu können. Warum erkranken Importpferde so viel häufiger an Ekzem als hier geborene?


Nur – und das ist das Problem – niemand kennt bisher alle Verursachungskomponenten und – viel entscheidender – niemand kennt den genauen Erbgang. Ganz sicher ist nur, dass es sich nicht um einen einfach dominanten Erbgang handelt. Das heißt, dass beide Elternteile Träger der Erbanlagen sein müssen. Und das heißt auch, dass ein Zuchttier – obwohl selbst ekzemfrei – diese Veranlagung vererben kann.

In der Zucht bringt es also wenig, die betroffenen Tiere von der Zucht auszuschließen. Wenn man erfolgreich sein wollte, müsste man also die Eltern und zwar beide Elternteile eines Ekzemers aus der Zucht nehmen. Und hier liegt das Problem, denn ich behaupte, es gibt in Deutschland nicht einen einzigen Islandhengst, der nicht zumindest einen Ekzemer unter seien Nachkommen vorzuweisen hätte. Die Islandpferdezucht müsste folglich aufgegeben werden.

Solange Erbgang und alle Verursachungsfaktoren wissenschaftlich nicht vollständig geklärt sind, werden wir – wie übrigens die Züchter aller anderen Rassen auch, mit einem gewissen Prozentsatz an Ekzemern leben müssen. Und bis dahin „Ja“ zur Forschung, aber „Nein“ zur wissenschaftlich nicht haltbaren Gerüchteküche.